Der vernünftige Grund


Laut Gesetzgeber brauchen wir Angler ja einen "vernünftigen" Grund, um angeln zu dürfen und dabei nicht mit dem Naturschutz in Konflikt zu kommen. So weit so gut. Die Frage ist für mich nur, warum der einzige vernünftige Grund für den Gesetzgeber darin besteht, dass man die gefangenen Fische entnehmen und essen muss. Ich bin ja kein "Kochtopfangler". Warum ich deswegen aber jeden maßigen Fisch abschlagen muss, will mir nicht so recht in den Kopf. 

Hier scheint der Gesetzgeber dem Druck der in der Öffentlichkeitsarbeit erprobten Natur- und Umweltschützer nachgegeben zu haben ohne gross über die Folgen in der Realität nachgedacht zu haben. Vielleicht hätte man da auch mal Angler von der Basis statt nur die Funktionäre der Verbände fragen sollen. Aber es scheint wieder einmal so, dass man in der Schweiz lieber reguliert und alles festlegt, als die Verantwortung dahin zu geben, wo sie hingehört: An die Praktiker vor Ort. 

Wer kann den besser entscheiden als die Fischwasserbesitzer und Pächter vor Ort, ob es bei den lokalen Bedingungen sowohl für das Biotop allgemein wie auch für den Fischbestand besser ist, einen gefangenen Hecht wieder zurück zu setzen statt ihn abschlagen zu müssen?? Was eine vernünftige Bewirtschaftung der Gewässer bewirken kann, sieht man ja in den Ländern, in denen auch das zurücksetzen erlaubt ist. 

Genauso wie sich mir beim unbedingten abschlagen müsse gefangener maßiger Fische die Haare sträuben, so geht es mir auch bei den Anglern, die grundsätzlich jeden Fisch zurücksetzen wollen. Beides kann in meinen Augen nicht das Richtige sein. Sinnvoll wäre da wie oben geschrieben, in meinen Augen eine dem jeweiligen Gewässer angepasste Regelung, welche sowohl die Produktionskraft des Gewässers berücksichtigt wie auch die biologischen Verhältnisse vor Ort.

 

 

 


So kann es durchaus sein, dass es an einem Gewässer sinnvoll ist, jeden gefangenen Hecht abzuschlagen, weil der Bestand für das Gewässer zu dicht ist. An einem anderen Gewässer ist es vielleicht aber sinnvoll, einen Hecht grundsätzlich zurück zu setzen. Und wieder an einem anderen Wasser kann es sein, dass es das Beste wäre, Hechte zwischen 50 und 80 cm mitzunehmen, die zwischen 0,80 und 1,10 zu schonen und erst wieder die ab 1,10 mit zu nehmen. 

Aber eigentlich soll das ja kein Bericht über das immer wieder auch unter Anglern kontrovers diskutierte Thema "catch and release" sein, sondern zum Thema vernünftiger Grund fürs Angeln. Diese Einführung war aber in meinen Augen deswegen nicht unwichtig, weil man daran sehr schön sehen kann, dass das was der Gesetzgeber als "vernünftigen" Grund ansieht in der aktuellen Umsetzung nicht immer zu "vernünftigen" Ergebnissen führen muss. 

Aber kann denn wirklich nur der Verzehr selbst gefangener Fische der einzig vernünftige Grund sein?? Bei einer halben Million Angler in der Schweiz, die im Schnitt fast 1000 Sfr. pro Jahr für ihre Leidenschaft ausgeben, sollte doch auch der wirtschaftliche Aspekt ein nicht zu vernachlässigender "vernünftiger" Grund sein. Und zwar nicht nur wegen der reinen finanziellen Aspekte, sondern weil gerade durch die Angler ja erst viele Maßnahmen unternommen werden, die unsere Gewässer für die Angler attraktiv machen. Und ein Gewässer mit einem artenreichen Fischbestand - der sich am besten selbst erhalten kann - bedingt ein funktionierendes Biotop. Im Gegensatz zu vielen "Schützern", die solche Biotope gerne sich selber überlassen wollen (das sieht man dann an vielen verlandeten, verschlammten Gewässern, die von deren Verbänden gekauft oder gepachtet wurden), hat aber der Angler ein Interesse an einer vernünftigen Bewirtschaftung und Pflege eines Gewässers. 

Und gerade der Tourismus profitiert davon auch. Denn jeder Tourist erfreut sich auch an gepflegten Gewässern mit gesunden Biotopen und so sorgen die Angler dafür, dass weit über den zugegeben oft auch engen eigenen anglerischen Horizont hinaus die Schweiz viele solcher Gewässer besitzt und damit den Tourismus allgemein fördert. Dass einzelne Regionen durch verschiedene Freizeitangebote allgemein attraktiver werden ist dabei auch klar. Dass also nicht nur die Angler sich das auf ihre Fahnen schreiben können. ABER: Eben auch die Angler!! 
Das gleiche gilt natürlich auch für die sozialen Belange. Jugendliche die in einem Verein das Angeln erlernen und erleben können, werden schon alleine durch die daraus entstehenden sozialen Kontakte sicher weniger anfällig für Drogen, Kriminalität oder soziales abgleiten sein. Das gilt natürlich auch für (fast) jeden anderen Verein in (fast) jeder anderen Sport-, Hobby- oder Freizeitart auch. ABER: Eben auch für uns Angler!! 

Das alles sind doch in meinen Augen vernünftige Gründe genug - aber natürlich nicht auf den Angler als einzelne Person bezogen, sondern auf die Angler als gesellschaftliche Gruppe. Aber ich denke auch für den einzelnen Angler gibt es weit mehr vernünftige Gründe um Angeln zu gehen als der profane Verzehr selber gefangener Fische. 

Wenn es sicher Unterschiede gibt zwischen den eher Spannung suchenden, aktiven Spinn- und Fliegenfischern im Gegensatz zum Entspannung suchenden, ansitzenden "Wurmbader", so ist es doch für alle diese Angler auch im Einzelfall sicher ein vernünftiger Grund, dass man sich beim Angeln eine Auszeit aus dem stressigen Alltag nimmt. Der eine mit der Suche nach Spannung, der andere mit der Entspannung. Das sollten eigentlich sowohl Arbeitgeber zu schätzen wissen, die so einen erholten, wieder motivierten Mitarbeiter erhalten, aber auch die Familien: Fast jede Familie wird wohl bestätigen können, dass der Angler nach seiner Rückkehr von einer Angeltour - seien es nur kurze Stunden, einen Tag oder gar nach einem Angelurlaub - sicher zugänglicher ist, als nach Feierabend nach einer stressigen Woche. Auch dies gilt natürlich wieder für viele andere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten auch. ABER: Eben auch für uns Angler!!!! 

Die Schützer haben es ja geschafft, mit der moralisch/ethischen Diskussion um die Leiden der Tiere die Angler in eine Ecke zu treiben, in der wir meiner Ansicht nach sicher nicht gehören: Tierquäler, Tiermörder, oft wird auch noch uns Anglern geradezu die Lust oder sogar Sucht nach Töten und Quälen als die eigentliche

Triebfeder unterstellt. 

Auf diese ethisch/moralischen Diskussionen möchte ich gar nicht weiter eingehen, da dazu jeder selber seine Meinung haben soll und muss. Ich frage mich da immer nur, warum einzelne Lebensformen scheinbar schützenswerter sein sollen als andere. Dem Veganer schaudert es vielleicht, wenn er ein Schnitzel essen soll, bedenkenlos meuchelt er den Kopfsalat - auch ein Lebewesen! Und der "Schützer" (oft genug ein Veganer/Vegetarier) kämpft zwar gegen die Leiden der Tiere, isst aber bedenkenlos sein Gemüse. Zwar bevorzugt aus biologischem Anbau. Aber ich habe noch keine Proteste vernommen, die sich gegen das Leiden der in intensiver Landwirtschaft mit Wachstumsförderern, Dünger und allen möglichen Insekten-, Unkraut- und sonstigen Vernichtungsmitteln gezogenen und damit gequälten Pflanzen richtet. 

Das Argument ist dabei immer, dass man als Mensch mit den intellektuellen Fähigkeiten und der Kultur eine Verantwortung gegenüber den niedrigeren Lebensformen hat. Dem stimme ich auch zu. Aber dann gegenüber allen niedrigeren Lebensformen - den Leben ist Leben, ob es sich um Tiere, Pflanzen, oder auch Viren und Bakterien handelt. Und auch der Mensch kann nun mal nur durch das töten anderer Lebensformen überleben. Zu dieser Verantwortung muss jeder Einzelne für sich stehen und damit umgehen. 

Dass aber aus solchen Überlegen wiederum resultieren soll, dass der einzige vernünftige Grund zum Angeln der Verzehr selber gefangener Fische sein soll, dass kann und will ich so nicht nachvollziehen und so auch nicht stehen lassen - und deswegen auch diese Ausführungen zu dem Thema. 
B.Dreier