Am Wehr gibts mehr



 

Wenn ich einen Lieblingsangelplatz am Fluss wählen dürfte, dann stünde meine Entscheidung sofort fest. Ich würde meine Ruten an einem Wehr auswerfen. Kaum eine andere Stelle bietet verschiedenen Fischarten so perfekte Lebendbedingungen. Die Gründe warum sich die Flossenträger an Wehren wohl fühlen liegen auf der Hand. Es gibt eine allgemein recht starke Strömung, aber auch Bereiche in denen das Wasser fast steht. Das Wasser ist stets sauerstoffreich und es wird laufend Nahrung angetrieben. Gerade im Sommer bei großer Hitze lassen sich am Wehr noch immer gute Fänge erzielen, wenn an anderen Flussbereichen kaum noch etwas geht.

Doch nicht nur unterhalb von Wehren, sondern auch oberhalb hat man gute Karten. Hier befindet sich ein ruhiger und tiefer Staubereich, der von den Fischen besonders bei niedrigen Wassertemperaturen gerne angeschwommen wird.

Folgende Fischarten kann man am Wehr sehr gut fangen:

 

Aal 

Für Aale sind Wehre Topp-Stellen. Die Schleicher finden am oft steinigen Grund unterhalb des Wehrs zahlreiche Verstecke und außerdem wird dort viel Nahrung freigespült. Meist beißen Breitkopfaale. Vor allem im Hoch- und Spätsommer halten sich viele Aale am Wehr auf. Mit robusten Grundruten und Rollen mit geflochtener Schnur kann man die Aale nachts gut beangeln. Wichtig sind absolut verwicklungsfreie Montagen, denn in starker Strömung kommt es häufig zu Tüddeleien. Die Vorfächer sollten beim Aalangeln am Wehr recht kurz sein, weil sie sonst schnell verdrallen. Bester Köder ist der Tauwurm. Dieser wird mit einer Ködernadel angeködert. Oberhalb vom Wehr hat man hervorragende Chancen auf große Aale. Die Montage sollte nur wenige Meter bevor das Wasser herunterschießt nah am Ufer ausgelegt werden.

 

Hecht

Hechte stehen meistens unterhalb vom Wehr an ruhigen Strömungskanten. Die besten Chancen auf einen "Entenschnabel" hat man beim Spinnfischen. Blinker, Wobbler und Gummifische sind vielversprechende Köder. Die Ködergröße und -farbe passt man am besten den Futterfischen an. Dies sind meist kleine Döbel, Rotaugen und Lauben. Bei trübem Wasser können aber auch Köder in grellen Farben erfolgreich sein.

 

 

 

Zander

Die vielen kleinen Weißfische unterhalb vom Wehr ziehen natürlich auch Zander an. Man kann diese mit der Spinnrute fangen. Grundnah geführte Gummifische und Spinner mit schmalem Blatt sind gute Zanderköder. Ich persönlich verwende aber lieber kleine Köderfische zum Zanderangeln. Diese bietet man entweder nachts an einer Grundmontage an oder man angelt mit einer treibenden Posenmontage. Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Köderfisch immer in Grundnähe treibt.

 

 

Karpfen

 

Auf Karpfen würden die meisten Angler wahrscheinlich zunächst oberhalb des Wehrs fischen. Dies ist zweifellos vor allem in der kälteren Jahreszeit ein sehr fängiger Bereich. Im Sommer jedoch ist ein Versuch unterhalb des Wehrs ebenfalls lohnenswert. Dort gibt es viele Krebse und Muschelbänke am Grund, die den Karpfen reichlich Nahrung bieten. Natürlich sollte man nicht in der stärksten Hauptströmung auf Karpfen hoffen. Stattdessen sucht man sich eine ruhige Kehrströmung, eine Bucht oder eine Strömungskante und füttert dort einige Tage mit Boilies, Frolic oder Hartmais vor. Danach wird dort mit stabilem Gerät (Karpfenrute, Freilaufrolle, abriebfeste 0,30 mm starke Monofilschnur, kurze Vorfächer aus geflochtenem Material) geangelt. Als Montage kommt bei mir ausschließlich das Festblei am Saftey-Bolt-Rig zum Einsatz. Wenn das Blei während des Drills irgendwo fest hängt, geht es bei dieser Montage verloren und der Karpfen kann meist noch gelandet werden. Das Bleigewicht sollte mindestens 120 g betragen. Oberhalb des Wehrs kann mit dem selben Gerät geangelt werden, wobei man hier bei der Wahl des Angel- und Futterplatzes nicht ganz so genau auf die Strömungsverhältnisse achten muss, weil die Karpfen im langsam fließenden Wasser fast überall anzutreffen sind.

 

Weißfische

Weißfische kommen an Wehren immer reichlich vor. Oberhalb des Wehrs beißen meist Brassen und Güstern. Sie lassen sich gut mit Feederrute und Futterkorbmontage fange. Wegen der schwachen Strömung ist ein normales Fertigfutter ausreichend zum Anlocken. Bester Köder sind meistens Maden, welche auch im Futter krabbeln sollten.Unterhalb des Wehrs kann man mit Döbeln und Barben rechnen. Barben beißen gerade nachts oft auf Tauwurm an einer Grundmontage. Döbel kann man auf vielfältige Weise fangen. Sie beißen gerne auf kleine Köderfische an einer Posenmontage. Auch das Spinnfischen mit kleinen Spinnern und Wobblern kann lohnen. Häufig gehen große Döbel auch als Beifang beim Karpfenangeln mit Frolic an den Haken. Selbstverständlich sind auch auf Maden an der Feederrute gute Fänge möglich, wobei dabei oft auch kleinere Döbel beißen. Wer unterhalb des Wehrs die Weißfische anfüttert, sollte sein Futter mit Kies beschweren und eine Mischung mit guter Bindung verwenden. Dass Barben und Döbel auf geriebenen Käse im Futter stehen ist ein offenes Geheimnis.

Rapfen

Die schlanken, silbernen Räuber können sich mit den vielen Lauben unterhalb des Wehrs den Bauch voll schlagen. Die besten Fänge gelingen mit kleinen Gummifischen und Twistern, die so schnell wie möglich an der Wasseroberfläche entlang geführt werden. Dazu statte ich die Gummiköder mit verhältnismäßig schweren Bleiköpfen aus. Da man diese Köder dennoch nicht weit werfen kann, besteht die Möglichkeit sie an einem mindestens meterlangen Vorfach anzubieten und einen Spirolino vorzuschalten.